Der Kemperbach

Gelbes Windröschen

Unter den ersten Frühlingsboten in freier Natur ziehen die dottergelben Blüten der Anemone ranunculoides sofort unsere Blicke auf sich. Nur selten finden wir sie in Bachnähe, in Auen. Mancherorts zieren sie lichtschattige Waldböden oder gesellen sich zu ihren Verwandten, den Buschwindröschen.

Lat. anemone ranunculoides

Bevor die Laubbäume austreiben und in Folge den Lichteinfall reduzieren, nutzt das Gelbe Windröschen, die warme Frühjahrssonne zum schnellen Wachstum. Angepasst an lichte Schattenplätze bevorzugt es kalkreiche Naturstandorte – basische Böden mit einem pH-Wert über 7 – in Laub- und Laubmischwäldern, wo noch ausreichend Licht die Photosynthese anregt.

Auf dem Waldboden liegt zu dieser Jahreszeit größtenteils altes Laub, das zusätzlich Wärme spendet. Wir finden das Gelbe Windröschen in der Krautschicht des Waldes. Siehe hierzu den Kasten „Stratifikation“. Unter der ErdoberflächeDie mehrjährigen Pflanzen vermehren sich vegetativ über unterirdische Speicherorgane – Rhizome verlaufen horizontal im Boden und sind häufig vertreten unter den Frühlingsgeophyten – aus denen sie ihre ganze Energie für die Wachstumsphase beziehen. Im Anschluss an die Blütezeit, zu Beginn des Frühsommers, zieht sich das Windröschen zurück, die Belaubung verschwindet, und Nährstoffe werden im Rhizom eingelagert für den nächsten Blattaustrieb im Frühjahr.

Stratifikation

Laub- und Nadelbäume verdunsten mehr Wasser als Wiesen. Mit hohem Druck saugen sie mehrere Liter pro Tag aus dem Untergrund, transportieren es hoch in die Wipfel. Äußerlich betrachtet durchläuft das Wasser unterschiedliche Schichten. Die Krautschicht, in der wir das Gelbe Windröschen antreffen, bildet gewissermaßen die Grundlage für darauf aufsetzende Etagen. Analog zum Hausbau fällt auch der Begriff Stockwerkbau. Gemeint ist die vertikale Beschaffenheit des Waldes. Namentlich sind dies die Wurzel-, Moos-, Kraut- und Strauchschicht sowie die Baumschicht, das Kronendach des Waldes. LichtbedingungenBedingt durch Lichtverhältnisse und vorherrschende Standortfaktoren wie Temperatur, beschreibt der Fachbegriff Stratifikation in der Theorie die Vertikalstruktur eines Waldes anhand der Wuchshöhe. Viel Sonnenlicht ermöglicht eine starke Ausprägung der Waldschichten. Im spärlichen Licht des Waldbodens gedeihen Moose und genügsame Pflanzen, Farne und Flechten, die mit weniger Licht auskommen als Pflanzen höherer Stockwerke. Jede Etage dient dabei als Nahrungsquelle verschiedener Waldbewohner.

Moosschicht

  • Farne und Pilze
  • Moose und Flechte
  • Falllaub und Gräser

Krautschicht

  • Indisches Springkraut
  • Frühblüher, Geophyt
  • Gelbes Windröschen

Strauchschicht

  • Brom-, Himbeeren
  • Walderdbeeren
  • Haselnussstrauch

Baumschicht

  • Laubbäume
  • Nadelbäume
  • Kletterpflanzen

Ähnliche Frühblüher

Auf den ersten Blick vermag das Gelbe Windröschen dem Scharbockskraut, Ranunculus ficaria, oder der Sumpfdotterblume, Caltha palustris, ähneln – doch allein bei Betrachtung der Blätter sind deutliche Unterschiede zwischen den Hahnenfußgewächsen erkennbar.

Auch im direkten Vergleich zum Buschwindröschen besitzt das Gelbe Windröschen, abgesehen von der Blütenfarbe, nur marginale Unterscheidungsmerkmale. Bei genauer Betrachtung wird deutlich, dass Letztere bis zu drei Blüten pro Pflanze ausbilden. Obgleich beide Anemonenarten syntop, somit am selben Ort, vorkommen können, finden wir sie in Dellbrück gemeinsam eher selten. Wir entdecken sie allenfalls in Diepeschrath und im angrenzenden Dünnwald, hier insbesondere am Mutzbach. Giftiger PflanzensaftWie alle Hahnenfußgewächse enthält auch das Gelbe Windröschen Anemonol, ein Toxin, welches sowohl zu Hautreizungen als auch Vergiftungen führen kann. Berichten zufolge soll Anemonensaft als Pfeilgift eingesetzt worden sein.

Eckdaten

Alternative Bezeichnungen

  • Goldhähnchen, Gold-Windröschen, Gelbes Waldveilchen, Yellow Wood Anemone

Botanische Merkmale

  • mehrjährig, Wuchshöhe 10 - 30 cm
  • sattgelbe Blüten
  • Blütenhülle: einfaches Perianth, Tepalum
  • dreiteilig gezahnte Blätter
  • Standort: lichter Schatten, Auenwälder
  • Alle Pflanzenteile giftig

Blütezeit

  • März - Mai

Verwandte Windröschen-Arten

Zur Exkurs-Hauptseite